La Traviata
«Questi pezzi non si devono assolutamente cantare, bisogna agirli e declamarli con una voce ben cupa e velata …»
«Diese Stücke dürfen auf keinen Fall gesungen werden, sondern sie müssen gespielt und mit einer dunklen, verschleierten Stimme deklamiert werden.»
(Giuseppe Verdi an Salvatore Cammarano)
«La Traviata» ist Verdis realistischste, menschlichste Oper. Als sie am 6. März 1853 im Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführt wurde, lag der Tod der 23-jährigen Pariser Edelkurtisane Marie Duplessis, der Comtesse de Perregaux, sechs Jahre zurück.
Ihr setzte Alexandre Dumas in seinem Roman «La Dame aux camélias» ein Denkmal. 1845 hatte er selber ein Verhältnis mit der später an Schwindsucht gestorbenen Kameliendame (was ihm 50’000 Franc Schulden einbrachte).
Violetta Valéry, wie sie in Verdis «Traviata« heisst, wird von allen verehrt, gesellschaftlich aber auf Abstand gehalten. Sie kämpft um bürgerliche Anerkennung und leidet an der Sehnsucht nach aufrichtiger Liebe. Mit diesem Realismus, der durch das illustre, erotisch aufgeladene Ambiente noch an Schärfe gewinnt, steht die Oper «La Traviata» in enger Beziehung zu Georges Bizets «Carmen», die von der Schlossoper Haldenstein 2009 aufgeführt wurde.
Das Schicksal dieser «vom rechten Weg Abgekommenen», wie man «La Traviata» übersetzen kann, sah Verdi als Schauspiel in Paris. Ihr Schicksal beeindruckte ihn so sehr, dass er diesen zeitgenössischen und zeitkritischen Stoff gegen alle Widerstände in seinem neuen Musikdrama umsetzte: Subtilste Musik, intime Bekenntnisse verbinden sich mit turbulenten Gesellschaftsszenen der Pariser Halbwelt. In den ergreifenden Liebestod am Ende der Oper – der bis dahin erste der italienischen Operngeschichte – klingt von aussen der Pariser Karneval hinein.
Es ist Verdis Meisterschaft, dass er mit der «Traviata» die alten bekannten Muster des italienischen Belcanto nutzt, dabei aber eine neue, realistische Musiksprache schuf, die in ihrer Einfachheit verwundert, gleichzeitig aber einen unerhört tiefgehenden Ausdruck hinterlässt – und berührt.
Mit dem bürgerlichen Namen Alphonsine Plessis in der Normandie geboren, vollzog Marie Duplessis als Kurtisane einen Aufstieg in die höchsten bürgerlichen Klassen der Pariser Gesellschaft, erhielt aber nie eine Anerkennung jenseits ihrer Stellung als Edelkurtisane, wie sie es sich in ihrem kurzen Leben ersehnt hatte. Auf die Frage «Sind Sie glücklich?», antwortete sie: «Ja! … – Nein, glücklich bin ich nicht, aber das merkt keiner.»
